Zuletzt ging es um drei Governance-Fragen, die jede KI-Einführung braucht. Die natürliche Folge: Wer stellt diese Fragen eigentlich, wenn das Unternehmen wächst und KI kein Experiment mehr ist?
Die Debatte um den Chief AI Officer läuft gerade heiß, und ehrlich gesagt ist der Titel meistens das falsche Gespräch. Ich habe es von beiden Seiten gesehen, als Vendor bei ThinkOwl und als Auftraggeber bei ESN, Cerascreen und dem NDR. Der häufigste Fehler ist nicht, keinen CAIO zu haben. Er ist, den Titel zu schaffen, bevor das Mandat geklärt ist. Dann sitzt jemand im C-Level-Meeting, ohne Budget, ohne Durchgriffskraft, ohne echten Auftrag. Das endet als Papiertiger und Frust auf allen Seiten.
Eine pragmatische Einordnung
- Unter 300 Mitarbeitenden braucht niemand einen CAIO. KI bleibt fragmentiert und experimentell, das ist in Ordnung.
- Zwischen 300 und 1.000 Mitarbeitenden reichen Übergangsmodelle: ein Head of AI, eine Stabsstelle, gelegentlich eine Fractional-Rolle. Was zählt, ist nicht der Titel, sondern ob jemand tatsächlich verantwortlich ist.
- Ab 1.000 Mitarbeitenden, bei mehreren parallelen KI-Projekten und wachsendem Regulierungsdruck durch den EU AI Act, wird aus einer Wunschfunktion eine Notwendigkeit.
Die eigentliche Frage
Sie lautet nicht „Brauchen wir einen Chief AI Officer?”, sondern „Wer trägt bei uns echte Verantwortung für KI, mit Mandat, Budget und Konsequenzen?”
Das ist wie beim Datenschutzbeauftragten: es ist sträflich, keinen zu haben. Den Titel kann man sich sparen, bis er wirklich trägt.
Habt ihr diese Verantwortung klar verankert, oder ist KI gerade Chefsache ohne Chefperson?