In Teil 2 habe ich erzählt, was passiert, wenn jemand zuhört. Heute kommt die andere Seite. Caretaker kündigen nicht wegen des Gehalts, das habe ich in Teil 1 geschrieben. Was ich damals nicht ausgeführt habe: Was passiert in den Monaten, bevor jemand geht?
Ich habe ein Muster beobachtet, das sich in verschiedenen Organisationen wiederholt.
Das Muster der Gleichgültigkeit
Zuerst fragt jemand: „Warum machen wir das so? Das schadet dem Kunden.” Die Antwort bleibt aus. In der nächsten Retrospektive landet der Punkt erneut, wieder ohne Reaktion. Im Vieraugengespräch heißt es: „Guter Punkt, ich nehme das mit”, aber nichts ändert sich. Nach dem dritten Mal stellt er keine Fragen mehr. Nicht weil er aufgegeben hätte, sondern weil er verstanden hat, dass dieses System nicht aus böser Absicht, sondern strukturell nicht zuhört.
Das ist das gefährlichste Muster im Umgang mit Caretakern: nicht Ablehnung, sondern Gleichgültigkeit. Caretaker können mit Widerspruch umgehen. Was sie nicht aushalten, ist das Gefühl, dass ihre Einschätzung zwar gehört, aber nie wirklich verarbeitet wird. Irrelevanz zermürbt sie schneller als jede Kritik.
Die Besten gehen zuerst
Organisationen, die Caretaker verlieren, haben meistens nicht einen einzelnen Fehler gemacht. Sie haben systematisch das Signal ignoriert, das diese Menschen senden. Im Reporting sieht man es nicht, in der Fluktuation sieht man es drei Monate später.
Die Besten gehen zuerst, denn sie haben die meisten Alternativen, die wenigste Toleranz für Stillstand und das stärkste innere Signal, wenn etwas nicht stimmt.
Was ist eure Erfahrung: Haben die besten Leute, die ihr kennt, eine Organisation wegen eines Vorfalls verlassen oder wegen eines Musters?